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Mobilität in der Vulkaneifel

Herausforderung für die Zukunft – Informationsveranstaltung mit Staatssekretär Günter Kern zu einem heißen Eisen der Region

Große Resonanz bekam eine von der SPD-Landtagsabgeordneten Astrid Schmitt initiierte Informationsveranstaltung zum Thema „Infrastruktur und Mobilität im ländlichen Raum – Herausforderungen und Strategien“ mit hochkarätiger Besetzung.

Informationsveranstaltung mit Staatssekretär Günter Kern zu einem heißen Eisen der Region

Informationsveranstaltung mit Staatssekretär Günter Kern zu einem heißen Eisen der Region

DAUN. Der Ortskern von Daun-Boverath, in dessen Bürgerhaus der Infoabend stattfand, war selbst Beleg für die Notwendigkeit, in der Vulkaneifel gute Lösungen für einen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu finden. Denn da jeder mit dem eigenen Pkw anfahren musste, waren die Parkplätze und Straßen schnell überfüllt. Zahlreiche Bürgermeister, Unternehmer und interessierte Bürgerinnen und Bürger wollten von Staatssekretär Günter Kern und Landrat Heinz-Peter Thiel wissen, wie es angesichts der prognostizierten negativen Bevölkerungsentwicklung auf dem Land mit intelligenten Mobilitätskonzepten weitergehen kann.

Kern skizzierte den demografischen Zusammenhang, in dem ÖPNV und Schienenpersonennahverkehr (SPNV) weiterentwickelt werden: ein Bevölkerungsrückgang von 4 Millionen Einwohner auf 3,2 Millionen Einwohner in den kommenden Jahrzehnten, der vor allem ländliche Gebiete trifft, und ein weiterer Trend zur Individualisierung mit immer mehr Alleinstehenden. „Darum müssen wir Kooperationen und lokales Engagement wie die mehr als 40 Initiativen im Land, die bereits einen Bürgerbus eingerichtet haben, finanziell unterstützen.“ So seien in den Landeshaushalt bereits zusätzliche 24 Millionen Euro für den SPNV eingestellt worden. Der Erfolg: Im Land gibt es mittlerweile mit 40 Millionen Zugkilometern dank des Rheinland-Pfalz-Taktes achtzig Prozent mehr Zugkilometer als noch 1994. Kern sprach auch die Eifelquerbahn an: „Wir sind in konkreten Gesprächen, ob, was und wie realisiert werden kann.“

Wertvolle Anregungen für mehr ÖPNV und SPNV kamen von Stephan Pauly, Geschäftsführer des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel (VRM), der vorstellte, wie im Rhein-Lahn-Kreis die effiziente flächendeckende Nahverkehrsleistungen finanziert und gesichert werden. Was bereits im Süden und Osten von Rheinland-Pfalz erfolgreich umgesetzt wird, kann Vorbild sein für den Landesteil, in dem die Vulkaneifel liegt. Dreh- und Angelpunkt ist einerseits, dass Konzessionen für den Bus- und Schienenverkehr so gebündelt ausgeschrieben und vergeben werden, dass es immer ein Gesamtpaket aus stark und schwach frequentierten Linien gibt. So genannte Rosinenpickerei ist somit nicht möglich und es ist stets gewährleistet, dass auch die wenig ausgelasteten Strecken zuverlässig in Form von Grundangeboten bedient werden.

Dreh- und Angelpunkt ist andererseits dabei auch, dass die öffentliche Hand trotz klammer Kreishaushalte ihrer gesetzlichen Verantwortung für die Daseinsvorsorge Rechnung trägt und sich finanziell am Ausgleich von Defiziten beteiligt. „Die Finanzierung durch Fahrkarten ist vielfach nicht ausreichend, und angesichts weiter rückgängiger Schülerzahlen als ‚Zwangsnutzer‘ von ÖPNV wird dies auch künftig so sein“, schilderte Pauly die Rahmenbedingung.

Landrat Thiel betonte, dass der finanziell „stark gebeutelte“ Vulkaneifelkreis bereits 200.000 Euro jährlich für „nicht auskömmliche Verkehre“ ausgebe, um die Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Doch die Situation sei besser als vielfach bekannt: „Es ist eine Marketing-Offensive notwendig, denn viele Menschen wissen gar nicht, dass ihr Dorf doch per Bus angebunden ist.“ Er stellte den Entwurf eines Zukunftskonzeptes vor, in dem die Hauptlinien Wittlich-Daun und Cochem-Daun-Gerolstein im Stunden- oder Zweistundentakt befahren werden. Die Nebenlinien sollen mit Sammelbussen nach Bedarf versorgt werden. Auch eine App, die aktuelle Bus- und Bahnverbindungen aufzeigt, so dass sie passgenau angefahren werden können, kommt zum Einsatz. Thiel betonte, dass für die Reaktivierung der Eifelquerbahn derzeit 13 Millionen Euro im Landeshaushalt eingestellt sind. Und vor allem: Der Lückenschluss der A 1 sei nach wie vor ein vordringliches Projekt in punkto Mobilität und Infrastruktur im Vulkaneifelkreis.

Astrid Schmitt, die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag: „Wir brauchen auch in Zukunft trotz sinkender Schülerzahlen einen funktionierenden Personennahverkehr. Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam die Weichen in Richtung einer neuen, innovativen, flexiblen und bedarfsgerechten Mobilität stellen.“